Interview DI Olugbenga Oduala Vize-Präsident der ÖNFG

DI Olugbenga Oduala im Interview

Olugbenga kam mit 18 Jahren nach Wien. Kein Deutsch, viel Energie und ein klares Ziel: studieren. Was folgte, war eine Karriere, die ihn zu einem der wenigen nigerianischstämmigen Führungskräfte in Österreichs Baubranche machte mit Projekten wie den Gasometern oder der Abflughalle in Schwechat.
Als Vize-Präsident der ÖNFG engagiert er sich dafür, das Bild der Nigerianer in Österreich zu verändern. Nicht mit großen Worten, sondern mit dem, was er selbst verkörpert: Hartnäckigkeit und die feste Überzeugung, dass ein Nein kein Endpunkt ist.

ÖNFG: Du bist die ersten Jahre in den 60er und 70er in Lagos aufgewachsen – einer Stadt, die sich seitdem dramatisch verändert hat. Welche Erinnerungen prägen deine Kindheit in Nigeria am stärksten?

Olugbenga Oduala: Ich erinnere mich daran, dass ich völlige Freiheit hatte. Ich kenne niemanden, der so viel Freiheit genoss wie ich. Für meinen Vater war das Wichtigste, dass die Schule reibungslos funktionierte. Ich hingegen war frei und konnte tun, was ich wollte.

ÖNFG: Mit 18 Jahren bist du mit praktisch keinen Deutschkenntnissen nach Österreich gekommen. Was hat dich damals angetrieben, diesen Schritt zu wagen?

Oduala: Ich kam mit 18 nach Österreich, mit einem einzigen Ziel vor Augen: zu studieren. Das war mein Ticket in die große weite Welt. Die Sprache war überhaupt kein Hindernis.

ÖNFG: Du hast in Wien die Matura nachgeholt und dann Bauingenieurwesen an der TU Wien studiert – während du dich gleichzeitig mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten hast. Wie hast du diese Phase erlebt?

Oduala: Diese Phase war für mich nicht so dramatisch während ich Jobs und Studium gemacht habe, da ich wusste, dass sie nur vorübergehend war. Ich habe alles getan, um mein Ziel zu erreichen.

ÖNFG: Deine nigerianische Schulausbildung wurde in Österreich zunächst nicht anerkannt. Was hast du dir gedacht, als du festgestellt hast, dass du alles nochmal beweisen musst?

Oduala: Als ich feststellte, dass meine nigerianischen Schulabschlüsse nicht anerkannt wurden, war das eine Katastrophe für mich. Nach ein paar Tagen kam ich zu dem Schluss, dass es kein Zurück mehr gab, nur noch vorwärts.

ÖNFG: Nachdem du dich durchgebissen hast, hast du bei PORR AG eine beeindruckende Karriere hingelegt und Großprojekte wie die Gasometer oder die Abflughalle in Schwechat verantwortet. Wie fühlt es sich an, nach diesem steinigen Anfang?

Oduala: Als ich bei PORR anfing, fühlte es sich anfangs wie Urlaub an. Bis zum zweiten Teil meines Studiums habe ich es selbst finanziert. Ich habe viele Gelegenheitsjobs angenommen und nebenbei Vollzeit studiert. Rückblickend war es echt hart.

ÖNFG: Als Führungskraft in einem großen Unternehmen bist du sicher oft der einzige Nigerianer am Tisch. Wie wirst du wahrgenommen? Musst du dich besonders beweisen oder ist das kein  Thema?

Oduala: Als einzige Schwarze am Verhandlungstisch zu sitzen, war mein Trumpf. Jeder im Raum nahm mich sofort wahr und war gespannt, was ich zu sagen hatte. Bis heute ist meine Hautfarbe mein größter Vorteil.

ÖNFG: Hast du in deiner Karriere jemals Situationen erlebt, in denen deine Herkunft ein Hindernis war?

Oduala: Als Schwarze in meiner Karriere? Sicherlich gab es Situationen, die wie Hindernisse wirkten, aber diese Situationen haben mich nur stärker gemacht. Ich danke allen, die Nein zu mir gesagt haben; auch sie haben mich nur stärker gemacht. Ich akzeptiere das Wort „Nein“ nicht.

ÖNFG: Wie eng ist dein persönlicher Kontakt zu Nigeria heute noch? Wie oft bist du in Nigeria?

Oduala: Nigeria wird bis zu meinem Tod meine Herzensheimat bleiben. Ich bin mittlerweile oft in Nigeria.

ÖNFG: Nigeria ist in den letzten Jahrzehnten enorm gewachsen – wirtschaftlich, kulturell, demografisch. Was fasziniert dich am meisten an der Entwicklung des Landes und was bereitet Dir Sorgen?

Oduala: Ich bin überzeugt, dass die Entwicklung Nigerias nicht mehr lange so langsam voranschreiten wird. Sie wird sich verändern. Eines Tages wird es einen wirtschaftlichen Aufschwung geben, und dann wird Nigeria seinen Platz in der Welt einnehmen. Ich werde es wahrscheinlich nicht mehr erleben.

ÖNFG: Wie bist du zur ÖNFG gekommen und was hat dich bewogen, das Amt des Vize-Präsidenten zu übernehmen?

Oduala: Anfang 2010 kontaktierte mich der damalige Präsident von PAN, DDr. Claus Walter, bezüglich der Gründung des Vereins. Aufgrund meiner häufigen Reisen war dies aus beruflichen Gründen nicht möglich. Zwei Jahre später meldete sich unser Kollege Clement Itamah bei mir, und seitdem engagiere ich mich aktiv für die Verbesserung des Images der Nigerianer.

ÖNFG: Die ÖNFG fördert wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Austausch zwischen Österreich und Nigeria. Wo siehst du persönlich den größten Nachholbedarf?

Oduala: Ich halte den kulturellen und sozialen Austausch für sehr wichtig, und genau das muss zuerst erreicht werden. Der wirtschaftliche Austausch wird sich dann automatisch ergeben.

ÖNFG: Gibt es konkrete Projekte oder Initiativen, die du als Teil der ÖNFG gerne umsetzen möchtest?

Oduala: Mein konkretes Projekt besteht in erster Linie darin, das Image der Nigerianer in Österreich zu verbessern.

ÖNFG: Österreicher und Nigerianer – was trennt diese beiden Kulturen, und was verbindet sie mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde?

Oduala: Wir haben grundverschiedene Denkweisen. Das ist kein Hindernis, sondern vielmehr eine Bereicherung, wenn wir bereit sind, einander zu verstehen.

ÖNFG: Was ist Deine persönliche Vision für die österreichisch-nigerianische Beziehung in zehn Jahren – und welche Rolle soll die ÖNFG dabei spielen?

Oduala: Nigeria hat 36 Bundesstaaten und eine Hauptstadt und ist etwa zehnmal so groß wie Österreich. Das bedeutet, dass wir in Nigeria viel Raum für Österreich haben (kulturell, sozial und wirtschaftlich). Der ÖNFG wird dabei eine wichtige Rolle spielen.