Karl Hala ist ein hochdekorierter Hotelmanager mit über 35 Jahren Erfahrung in der globalen Luxushotellerie. Aktuell verantwortet er als Group General Manager die Geschicke der Continental Hotels Nigeria. In dieser Rolle ist er für die strategische Ausrichtung, den Betrieb und das Wachstum einer der führenden Hotelgruppen Westafrikas zuständig. Wir haben Karl Hala zu einem Gespräch über Nigeria und seine Motivation in Afrika Fuß zu fassen getroffen.
ÖNFG: Du hast in Wien die Hotelfachschule absolviert. Ich war auch dort, und ich kann mich nicht erinnern, dass irgendwer meiner Kolleg:innen den Traum hatte, nach Afrika zu gehen. Wie kam es dazu?
Karl Hala: Doch – ich wollte tatsächlich immer nach Afrika.
Als Jugendlicher habe ich den Film Shaka Zulu gesehen, und der hat mich tief beeindruckt. Diese Geschichte, diese Kultur, diese Kraft – das hat in mir eine große Faszination für das „schwarze Afrika“ ausgelöst, die mich nie mehr losgelassen hat.
Dazu kam noch eine weitere prägende Figur meiner Kindheit: Muhammad Ali, damals noch Cassius Clay. Sein Auftreten, seine Haltung, sein Selbstbewusstsein – das war unglaublich inspirierend. Den Kampf gegen Sonny Liston habe ich als Fünfjähriger gesehen, und auch das ist hängen geblieben.
Afrika war also lange eine innere Sehnsucht. Dass sich diese später auch beruflich erfüllt hat, war kein Zufall, sondern eher das Zusammenführen von frühem Interesse, Ausbildung und Gelegenheit.
ÖNFG: Du bist in Lagos, einer Stadt mit 22 Millionen Einwohnern. Ganz genau weiß man das nicht. Diese Stadt muss einen doch erschlagen, wenn man dort ankommt. Wie war das für dich? Und was sind die prägnantesten Unterschiede zwischen den Kulturen?
Hala: Lagos ist überwältigend, ja. Laut, schnell, intensiv. Aber nach kurzer Zeit merkt man: Hinter dem Chaos steckt eine eigene Ordnung. Die größte Umstellung war nicht die Größe der Stadt, sondern das Tempo und die Emotionalität. Entscheidungen sind direkter, Beziehungen persönlicher. Dinge werden oft gleichzeitig erledigt – und funktionieren trotzdem.
ÖNFG: Wie ist das Leben als weißer Mann in Lagos? Musst du besondere Sicherheitsvorkehrungen beachten? Es gibt ja nach wie vor eine Reisewarnung in Österreich.
Hala: Ich habe mich in Lagos immer respektvoll und sicher bewegt. Natürlich gibt es Sicherheitskonzepte, wie in vielen großen Metropolen weltweit. Aber Angst bestimmt hier nicht den Alltag. Wichtig ist kulturelles Verständnis, Respekt und ein professionelles Umfeld. Pauschale Reisewarnungen spiegeln selten den Alltag vor Ort wider.
ÖNFG: Als Group General Manager der Continental Hotels Nigeria hast du einen guten Einblick in den Tourismus. Wer sind deine Gäste, und warum kommen sie nach Lagos oder Abuja?
Hala: Der Großteil unserer Gäste reist aus geschäftlichen Gründen an: Energie, Telekommunikation, Finanzwirtschaft, Diplomatie, internationale Organisationen. Abuja ist politisches Zentrum, Lagos wirtschaftlicher Motor. Klassischer Urlaubstourismus spielt eine geringere Rolle – dafür ist Business- und Konferenzgeschäft sehr stark.
ÖNFG: Was ist der größte Unterschied im Hotelalltag zwischen Lagos und Österreich oder Europa, der Außenstehenden sofort auffallen würde?
Hala: Flexibilität. In Europa sind Prozesse stabil, berechenbar. In Lagos muss man täglich improvisieren – Strom, Logistik, Verkehr. Führung bedeutet hier, ständig Lösungen zu finden. Dafür sind Teams extrem anpassungsfähig und lösungsorientiert.
ÖNFG: Wir in Europa haben eine gewisse Vorstellung von Afrika und haben im Grunde keine Ahnung. Wie würdest du die Menschen in Nigeria beschreiben?
Hala: Sehr unternehmerisch, kommunikativ und bemerkenswert optimistisch. Trotz vieler Herausforderungen herrscht eine enorme Lebensenergie. Humor spielt eine große Rolle. Und Bildung sowie persönlicher Erfolg haben einen sehr hohen Stellenwert.
ÖNFG: Was würdest du einem jungen Hotelprofi sagen, warum er oder sie nach Nigeria kommen soll, um Erfahrung zu sammeln?
Hala: Weil man hier in kurzer Zeit Dinge lernt, für die man in Europa Jahre braucht: Verantwortung, Krisenmanagement, interkulturelle Führung. Nigeria ist kein bequemer Markt, aber ein ehrlicher. Wer hier besteht, kann überall arbeiten.
ÖNFG: Wie sehen die Menschen in Nigeria Europa oder auch Österreich?
Hala: Europa wird sehr positiv gesehen – als Ort von Stabilität, Ausbildung und Struktur. Österreich gilt als verlässlich, qualitätsorientiert und respektiert. Viele Nigerianer haben eine erstaunlich gute Kenntnis europäischer Länder.
ÖNFG: Und als Abschlussfrage: Warum soll man nach Nigeria fahren?
Hala: Weil Nigeria überrascht. Es ist komplex, fordernd, manchmal widersprüchlich – aber menschlich unglaublich reich. Wer mit offenen Augen kommt, lernt viel über Wirtschaft, Gesellschaft und sich selbst. Nigeria ist kein einfaches Reiseziel, aber ein sehr lohnendes.